Und täglich grüßt das Murmeltier

Dienstag, 2. Februar 2016

Als eine Art Fanverband des SV Werder Bremen liegen uns auch im neuen Jahr zwei Dinge besonders am Herzen. Da wäre zum einen natürlich unser Verein und dessen sportliche Entwicklung. Zum anderen sind es die für den Verein so wichtigen Faninteressen. Wir wollen versuchen auch dem Gelegenheitsstadionbesucher unter unseren Lesern verständlich zu machen, warum Faninteressen so wertvoll sind für ein „Unternehmen“, wie die heutigen Fußballvereine leider zu bezeichnen sind. Deshalb versuchen wir erst einmal zu erklären, was für treue Werderaner mit Bezug zur Vereinsgeschichte und zur Fankultur eigentlich Verein, Fankultur und die Verbindung von beidem bedeutet.

Denn fernab aller Phrasen und den Vorurteilen, die gerne durch diverse Medien verbreitet werden, sind Fans weder nur Randalierer, die ihren Vereinen schaden, noch ausschließlich Konsumenten der immer wilder werdenden Vermarktungsmaschinerie „Fußball“. Viele Fans sehen sich als Teil des Vereins, was nur zu gerne von den Chefetagen der Vereine ignoriert wird. Sie haben über Jahre und Jahrzehnte das Bild des Vereins mitgeprägt und dies frei von Zwängen und mit viel Herz. Stets in dem Bewusstsein nicht nur stolz auf den Verein sein zu können, sondern auch auf sich und seine Leistung in diesem. So entwickeln sich automatisch auch Wertvorstellungen, die weit entfernt von denen anzusiedeln sind, die dem gemeinen Konsumenten gerne angehängt und zugetragen werden. „Ein echter Fan hat auch stets das neue Trikot“ beispielsweise oder „der Fan trinkt das neue Werder Bier“ sind dabei kleine und im Vergleich harmlose Strategien, welche jedem weiß machen wollen, was zu tun ist, um ein echter Fan zu sein. Vielen Fans jedoch ist nicht zwangsläufig das neueste Trikot oder der Champions League Platz wichtig, um seinem Verein auch in Zukunft zur Seite zu stehen, sondern es sind Dinge, die sie mit ihrem Verein verbinden. Dinge, mit denen sie groß geworden sind. Dinge, wie beispielsweise das Weserstadion, in dem man sich Zuhause fühlt, oder die grün-weißen Farben, mit denen man Höhen und Tiefen erlebt hat. All diese Dinge und noch viele weitere sind es, die uns auch die schlechten Zeiten wie diese aushalten lassen. Es schmerzt nicht nur die sportliche Situation, sondern eben auch die getroffenen Worte über den gewünschten Verkauf des Namens „Weserstadion“.

Aber wieso überhaupt das Ganze?
Kaum startet ein neues Jahr, scheint „so kurz“ nach den Feiertagen wie so oft die Besinnlichkeit bereits entschwunden zu sein und der Blick in die Zukunft wolkenverhangen. Dabei stellt man, ob nun in der Politik, an den Stammtischen, auf der Arbeit, dem Schulhof, beim Friseur oder hier bei Werder immer wieder fest, dass Erfolg gerne ausschließlich an finanziellen Möglichkeiten gemessen wird. Es scheint heutzutage völlig normal zu sein, Erfolg oder Misserfolg am Budget auszumachen. Dies wurde zuletzt leider auch in Interviews mit Persönlichkeiten aus und um den Verein deutlich. Den Anfang hierzu machte kürzlich unser ehemaliger Geschäftsführer in einem Interview, wobei er eigentlich angekündigt hatte, nie wieder eines in Bezug auf Geschäftsbelange des SV Werder geben zu wollen. Über die Zukunft unseres geliebten Sportvereins zu diskutieren, ist natürlich legitim, egal welcher Meinung man dabei ist. In der Öffentlichkeit getroffene Aussagen zu kritisieren ist jedoch ebenso legitim. Und wenn diese darauf abzielen, Werte, welche uns Fans lieb und wertvoll sind, zu beschädigen, ja sie uns sogar zu berauben, dann sind wir da, um dazu ein anderes Bild zu zeichnen.

Wie so häufig ging es in diesem Interview unter anderem um den Stadionnamen. Aber auch die Investoren fanden wieder ihren Platz. Beim Thema Investoren scheiden sich bei der Masse der Fans ja weiterhin die Geister. Bei den einen scheinen die ewigen Gruselgeschichten von den Überlebensnotwendigkeiten solcher Investoren langsam Wirkung zu zeigen. Bei den anderen brennen sich die haarsträubenden Negativbeispiele immer tiefer in die Fanseele ein. Gerade am Beispiel England lassen sich die Auswüchse dieser Fremdbestimmungen erkennen.
Unterm Strich stellen wir uns die gleiche Frage wie alle anderen im und um den Verein: „Wie geht es weiter in unserem Verein?“ Jedoch vergessen wir dabei eben nicht auch Dinge zu hinterfragen und sie so zu beleuchten, wie sie es verdient haben.

Und so fragen wir uns bezüglich des Weserstadions wieder einmal, wie sinnvoll eine Umbenennung eigentlich sein kann. Eventuelle Mehreinnahmen würden an die Bremer Weserstadion GmbH fließen und somit zweckgebunden eingesetzt werden müssen. Sie stehen dem Verein also nicht zur freien Verfügung, wie zum Beispiel für Spielereinkäufe. Allenfalls könnten die momentanen Verluste der Bremer Weserstadion GmbH, die zu jeweils 50% dem Verein und der Stadt gehört, besser aufgefangen werden. Seit langem, wie es scheint, muss lediglich der Verein die Verluste ausgleichen, während die Stadt nichts Besseres zu tun hat, als dem Verein mit der Übernahme der Kosten für Polizeieinsätze zusätzlich zu schaden.

Dass der Stadionname bereits seit vielen Jahren verkauft ist, dürfte auch kein wirkliches Geheimnis mehr sein. Warum jedoch die Firma EWE in Verbindung mit der swb den altehrwürdigen Namen „lediglich“ nutzt, ihn aber nicht verändert hat, bleibt weiterhin ein Rätsel. Ein Umstand jedenfalls, der gar nicht hoch genug zu loben ist und entweder der Weitsichtigkeit unserer Vereinsoberen oder der beteiligten Firmen zuzuschreiben sein dürfte. Eine Lösung wie diese, aus welchen Gründen auch immer sie so zustande gekommen ist, scheint also grundsätzlich machbar und entspricht unserer Ansicht nach einer für alle verträglichen Veräußerung/Nutzung eines Stadionnamens, welcher in seinem ursprünglichen Wert in der Liga mittlerweile seines Gleichen sucht. Die größte Frage in dieser ganzen Diskussion ist jedoch: Warum wurde dieses „Alleinstellungsmerkmal“ bisher noch nie wirklich im Sinne des Vereins genutzt?

Gelder, welche aus einer Umbenennung generiert würden und dann unmittelbar in tollen Statistiken und Buchführungen ausgewiesen werden können, klingen gerade für die Vereinsoberen natürlich verlockend, während sich Mehreinnahmen durch einen erhaltenen Identifikationspunkt für die Fans nicht so leicht errechnen lassen und somit schwieriger zu kalkulieren sind. Weniger verlockend in deren Ohren dürfte die immerhin gewachsene Erkenntnis sein, dass vielen Fans der Stadionname dann doch nicht völlig egal und somit der Erhalt des selbigen wichtig ist. Nicht zu vergessen, dass auch eine Verärgerung der Fans bei einer Namensänderung einen Identifikationsverlust nach sich ziehen würde, was wiederum unkalkulierbare Einnahmeeinbußen mit sich bringen würde. Doch zeigen die neuerlichen Aussagen Filbry’s beispielsweise nur zu gut, dass in Teilen des Vereins alles lediglich doch nur ein Zahlenspiel zu sein scheint.

Überlegungen unsererseits, einmal den effektiven Wert des traditionellen Namens errechnen zu lassen, welcher sich aus eben für uns Fans so wichtigen Faktoren wie Identifikation und Verbundenheit zusammensetzt, scheitert aktuell noch an unseren Möglichkeiten. Vielmehr sind wir immer noch dabei, Ideen aus Fankreisen an den Verein heranzuführen, welche zu einer besseren Nutzung des vorhandenen Namens führen könnten. Ganz gleich ob dieser nun in einem bestehenden Vertrag bereits „verkauft“ ist oder auch nicht. Dass sich diese Kommunikation jedoch mehr als schwierig gestaltet, können und wollen wir nicht so recht verstehen. Nichtsdestotrotz werden wir am Ball bleiben, da wir um die Wichtigkeit des Erhalts unseres Stadionnamens für Verein, Stadt und Fans wissen.

Unterstützt uns dabei und bleibt bei der Frage des Verkaufs auch bei zunächst verlockend klingenden Angeboten standhaft und hinterfragt diese kritisch.

Solltet auch ihr noch Ideen haben, wie sich der vorhandene, schützenswerte Name besser im Sinne des Vereins nutzen lässt, schreibt uns unter info@fanbündnis-bremen.de

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