Über raue See, sinkende Schiffe, Ratten und kreisende Geier

Freitag, 10. Oktober 2014

Den Blick auf die Tabelle spart man sich aktuell gerne. Die Laterne übernommen, wiegen sich die Wellen der Entrüstung darüber immer höher auf. Das Leck geschlagene Schiff Werder hat an Fahrt verloren. Zumindest dann, wenn man sich nicht eingestehen mag, dass es meist nicht nur goldene Zeiten gibt, dass jeder Verein mal sein sinkendes Schiff durch die raue See manövrieren muss, ja, dass es neben Licht nun einmal auch selbstverständlich Schatten gibt. Nur wer sich dies eingesteht und die Augen nicht verschließt vor lauter Angst, wird feststellen, dass diese Fahrt noch lange nicht vorüber ist und im Vergleich zu den Vorjahren sogar an Fahrt zugenommen hat.

Der Moment ist dennoch hart. Denken wir an die glorreichen Zeiten zurück, so vermag er uns noch härter zu treffen, als ein Boxer es jemals könnte. Doch werden wir nicht hektisch und verlieren nicht den Blick auf das Wesentliche, sehen wir auch, dass diese glorreichen Zeiten es sind, welche uns diesen Schlamassel einbringen. „Werder will ins Risiko gehen und Schulden machen“ heißt es jetzt von zwei Herren, welche sich vom Stil her kaum besser an den Tabellenplatz hätten anpassen können. Wird von der sportlichen Leitung gute bis bestmögliche Arbeit abgeliefert und trotz allem der Teamgeist hoch gehalten, fangen nun anscheinend die Ratten an, das sinkende Schiff verlassen zu wollen. Zwar ist weder der Begriff der Ratten, noch der des Verlassenwollens allzu ernst zu nehmen, doch passen sie in unsere schöne Geschichte ganz gut herein. Der Teamgeist also, der im Sportlichen noch vorhanden scheint, scheint anderswo das sinkende Schiff verlassen zu haben. Doch machen wir nicht bereits seit geraumen Jahren „Schulden“? Schulden zumindest in dem Sinne, dass fleißig vorhandenes Geld aufgebraucht wird und nicht ausreichend Neues hinzukommt? So wird doch bereits seit den Champions League Zeiten tiefer in die Tasche gegriffen, als es eigentlich nach guter alter hanseatischer Manier richtig gewesen wäre. Waren es also nicht etwa die Umstände des ewiglich an der Sonne, mit den Bayern auf Augenhöhe verbleiben wollenden Fußballvereins, welche dazu geführt haben, dass wir jetzt da sind, wo wir sind? Die wirklichen Schulden, die man jetzt machen möchte, sind nichts anderes, als die, die seit Jahren gemacht werden, aber seit einigen Jahren nun nach guter alter hanseatischer Kaufmannsmanier nicht mehr ohne Wenn und Aber gemacht werden dürfen. Das ist der Job des Aufsichtsrates! Ein Aufsichtsrat, der sich nun öffentlich dank Hilfe von ganz oben und einer Investorenkombo gegenseitig an die Gurgel geht und damit ein schlechtes Vorbild ist.

Es lässt sich leicht bilanzieren: Werder ist unser Verein. Ein Verein, der über all die Jahrzehnte mit Bescheidenheit aus wenig viel gemacht und mit Ruhe eine Fahrrinne geebnet hat, in der es sich stets gut manövrieren ließ. Das Wetter drehte sich, die See wurde rauer, die Anstrengungen mussten erhöht werden. Das Ende vom Lied über das liebe Geld, was angeblich Tore schießt und einen angeblich sogar vor dem Abstieg rettet, wird mittlerweile immer lauter vom Festland herüber getragen, während man sich auf hoher See weiter müht, den überschüssigen Ballast abzuwerfen, um mit der Ruhe auch die ruhige See wieder zu finden, welche einem heutzutage nicht mehr gegönnt wird. Denn die ruhige See ist langweilig. Sie ist still, leise – ruhig eben. Heute muss alles laut sein und schnell. Nichts anderes scheint aufregend, nichts anderes scheint Zeitgeist zu sein.

Und nichts anderes als das, was gerade in den Foren oder der Presse passiert, ist Geiertum. Die Aasgeier kreisen! Wer will da schon mitkreisen? Kreisen – neben Geiern, die euren Verein lediglich als Anlageobjekt mit Renditeversprechungen sehen? Kreisen – neben Geiern, die aus ihren heimischen Kellern weitgehend anonym, ohne ersichtlichen Sinn und mit scheinbar noch weniger Verstand Leute unseres Vereins angreifen, die das geliebte Schiff einst vorwärts gebracht haben?

Wir möchten das nicht. Und wir hoffen, dass es euch ebenso geht. Wir sind ganz ruhig. Denn Ruhe ist angesagt. Wir verwechseln dies allerdings nicht mit Kritiklosigkeit oder blindem Vertrauen. Wir haben klare Vorstellungen, wie ein Verein sich gegenüber der Öffentlichkeit, insbesondere Geiern wie Presse und Wirtschaft, sowie gegenüber seinen Fans zu präsentieren hat. Wir, als Fans, möchten nicht Spielball derer werden, die sich nicht (wie wir es tun) mit unserem Verein identifizieren. Wir möchten nicht fremdbestimmt werden und auch nicht gesagt bekommen, wann wer spielt, wann wer zu gehen hat oder wann wer rauszuwerfen ist. Der Herr im eigenen Haus darf man schon bleiben und sein Gesicht wahren sollte man erst recht. Denn dieses Gesicht ist genau das, was uns unseren Verein lieben gelernt hat. All dies sind keine frommen Wünsche oder steinzeitlichen Vorstellungen. Es sind klare und konstruktive Einstellungen, die Sponsoren, Investoren und Co. zwar Spielraum lassen, ihre Interessen zu verfolgen, nicht jedoch auf Kosten eines von Fans geliebten Vereins wie unser SV Werder Bremen. Das ist unsere Einstellung und diese erwarten wir, als liebende Fans, auch von unseren Vereinsoberen!

Fanbündnis Bremen

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